Bei Windkraft scheiden sich die Geister

Über 100 Interessierte bei offener Fraktionssitzung

Die offene Fraktionssitzung der FWG Rietberg am Montag Abend in Bokel musste kurzerhand vom Gastzimmer des Gasthof Bökamp in den großen Saal verlegt werden. Kurz vor Beginn der Sitzung deutete sich an, dass man mit dem Thema „Windkraft-Potenzialflächen“ einen empfindlichen Nerv in der Bürgerschaft getroffen hatte.

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Mehr als 100 Interessierte, welche längst nicht alle aus Bokel, sondern auch aus Mastholte, Westerwiehe und Rietberg kamen, folgten dem Angebot der FWG-Fraktion, sich gemeinsam zum Thema zu informieren. Selbst die Langenberger Bürgermeisterin Susanne Mittag nutzte die Gelegenheit, sich über die Situation in Rietberg ein Bild zu machen, habe doch auch Langenberg dieses Thema in Kürze „vor der Brust“.

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Rüdiger Ropinski und Alfons Hollenhorst berichteten über den Stand der Dinge aus Sicht der Verwaltung

Nachdem der FWG Fraktionsvorsitzende Jürgen Don sowie der eingeladene Bürgermeister Andreas Sunder die Anwesenden begrüßt hatten, übernahmen Alfons Hollenhorst und Rüdiger Ropinski von der städt. Abteilung Räumliche Planung & Entwicklung den fachlichen Teil der Sitzung. Sie legten noch einmal dar, wo nach derzeitiger Planung Potenzialflächen ausgewiesen werden sollen.

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Mehr als 100 Intressierte Bürger folgten der Einladung zur offenen Fraktionssitzung

Dass Windkraft in Rietberg vielerorts noch nicht die Akzeptanz erlangt hat, die Bund und Land sich wünschen, hat die Rietberger Verwaltung bereits durch 100 Bürgerbriefe sowie mehrere hundert Unterschriften besorgter Bürger erfahren müssen, die Ihrer Angst vor Geräuschentwicklung, Schattenwurf und Eingriff in die Landschaft auch während der Fraktionssitzung deutlich machten.
Alfons Hollenhorst und Rüdiger Ropinski wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine Reduktion der bislang ausgewiesenen Flächen von rund 2,5% der Rietberger Gesamtfläche durchaus noch möglich sei. Dennoch müsse man sich bewusst sein, dass die Kommunen einen klaren Auftrag von Bund und Ländern erhalten hätten, sollte der Atomausstieg langfristig gelingen – nämlich der Windkraft „substanziellen Raum“ zu verschaffen. Auch die Rietberger Politik, so erinnerte Andreas Sunder noch einmal, habe bereits vor Jahren das ehrgeizige Ziel gesteckt, dass Rietberg bis zum Jahre 2030 energieautark sein solle.

Am Ende einer kontroversen, jedoch sehr sachlichen Diskussion stand jedoch eine wichtige Erkenntnis, nämlich dass ein überarbeiteter Flächenplan notwendig ist – jedoch nicht, um mehr Windkraftbauflächen zu schaffen als bisher, sondern um einen rechtskonformen Flächenplan zu haben, um willkürliche Bebauung zu verhindern.