Reisebericht: Tour in „Uns Uwe’s“ neue Fussballheimat Brighton

In der Nacht vom 27. auf den 28. Dezember ging es für uns, den Dartverein „Onehundredandeighty“, um 1.30 Uhr los in Richtung Vereinigtes Königreich. Auf der Fünfländertour mussten wir 550 Autobahnkilometer hinter uns bringen, um an unser Ziel, den Eurotunnel in Calais, zu kommen. Dabei war die einhellige Meinung aller 7 Mitreisenden, dass Belgien und Frankreich noch ein paar Euros aus ihrer Staatskasse in die Erneuerung ihrer Autobahnen stecken sollten. Es ruckelte und zuckelte in unserem Mietwagen, so dass an Schlafen nicht zu denken war. Am Eurotunnelgelände angekommen ging es dann erst einmal zum Personalausweis-Check bevor wir in den Zug in Richtung Folkstone einfahren konnten. Nach 30 Minuten unterhalb von Millionen Litern Wasser kamen wir um 7.30 Uhr englischer Zeit in Folkstone an.

Nach kurzem Zwischenstop auf einem englischen Rastplatz ging es auf die ca. zweistündige Fahrt an unseren Zielort, das englische Seebad Brighton and Hove. Am Hotel angekommen wurden die Koffer verstaut. Jetzt nur noch einen geeigneten Parkplatz finden und endlich wäre es geschafft. Doch die Parkplatzsuche stellte sich schwieriger heraus als gedacht. Nach geschlagenen 1,5 Std. haben wir dann endlich einen unentgeldlichen Parkplatz für unseren Bulli gefunden. Auf dem Fußweg vom Bulli zur Altstadt fiel uns auf, dass es in England entweder keine Maler oder Gärtner gibt oder die Engländer einfach keinen Wert auf die Außendarstellung ihres Eigenheimes legen 😉 In der Altstadt angekommen haben wir uns erst einmal mit einem Burger gestärkt. Danach ging es dann an den Strand und auf das riesige „Brighton Pier“.

Am Fuße eines überdimensionalen Riesenrades erstreckt sich ein ca. 300 Meter langer Steg mit Achterbahnen, Geisterbahn, Bull Riding, Pferderennen, Dosenwerfen und einer 5000 Quadratmeter großen Spielhalle. Ein Paradies für Zocker;)

Nach zwei Stunden und einigen Pounds weniger im Portemonnaie ging es dann zurück zum nahegelegenen Hotel, um uns für den Abend frisch zu machen.                                                                                    Zwischenzeitlich hatte „Uwe“ schon Kontakt mit uns aufgenommen und wir haben uns für den Abend verabredet. Um 16.30 Uhr ging es dann mit einem nicht gerade komfortablen Taxi in den Pub „The Branch“ in die 52 London Road. Dort angekommen erwartete uns eine Hand voll Engländer, die wissen wollten, woher wir kommen und was uns nach Brighton verschlagen hat. Als wir ihnen erzählten, dass wir aus Uwe`s Heimatdorf sind und wir wegen dem am nächsten Tag stattfindenden Fußballspiel da sind, kam ein Pubbesucher auf uns zu und schwärmte vom Stadion und natürlich von „Uns Uwe“. Er sagte immer wieder: „ He`s a good one, he´s a good one“! Nach dem ersten Bier ging es dann an das pubeigene Dartboard, um ein kleines Dartturnier unseres Vereins zu spielen.

Gut eine halbe Stunde nach Ankunft war der Pub von Inhaber „Ian“ brechenvoll, da das Topspiel in der Premier League Manchester United gegen Chelsea London anstand. Nach ein paar Matches an der Dartscheibe und einigen Bierchen später öffnete sich die Tür des Pubs und Uwe kam herein. Die Wiedersehensfreude war bei allen natürlich riesengroß. Wir haben über seine Erfahrungen im englischen Fußball und über die Lebensgewohnheiten der Engländer gesprochen. Dabei kam heraus, dass es im englischen Fußball viel härter zur Sache geht und das Spiel viel athletischer ist als in Deutschland und er sich noch ein wenig daran gewöhnen müsse. In der Folgezeit ließ Uwe es sich natürlich nicht nehmen, selbst einige Pfeile auf das Dartboard zu werfen, wobei man sah, dass er nicht das erste Mal einen Dartpfeil in der Hand hatte. Nach einem lockeren Gespräch und einem Erinnerungsfoto verließ er uns nach einer Stunde wieder, aber nicht ohne uns 7 Tickets für das Heimspiel Brighton gegen Ipswich Town am kommenden Tag zu hinterlassen. Diese hatte er für uns über den Verein organisiert!

Nach dem Premier League Match leerte sich der Pub recht schnell, so dass am Ende nur noch die 7 Bokeler im „The Branch“ verblieben waren. Der Kneiper spendierte eine Runde Jägermeister für uns, den wir gerne annahmen. Am Ende des Abends durften wir sogar selbst das Bier zapfen und haben Ian mal gezeigt, wie ein schönes deutsches Bier auszusehen hat 😉 Nach einem kleinen Snack ging es dann zurück ins Hotel, um gut ausgeruht in den nächsten Tag zu starten.

Am nächsten Morgen ging es früh um 9.30 Uhr mit dem Taxi in Richtung Bahnhof , wo wir mit dem Zug in das nur 60 Minuten entfernte London aufbrechen wollten, um uns die Sehenswürdigkeiten der englischen Hauptstadt anzusehen. Doch daraus wurde leider nichts, da gerade zu dieser Zeit Gleisarbeiten auf der Strecke stattfanden. So einigten wir uns darauf, dass wir den Tag in Brighton verbringen. Wir bummelten durch die schöne Altstadt, wo sich ein Schmuckladen an den anderen reiht. Ein Paradies für Frauen. Nach einer Tour durch das riesige Shoppingcenter zog es uns wieder zum Brighton Pier, wo wir einen herrlichen Frühschoppen genossen.

Nach einem kurzen Aufenthalt in der Spielhalle gingen wir zurück ins Hotel, um uns auf das Spiel am Abend vorzubereiten. Mit Brighton and Hove Albion Trikots bestens ausgerüstet ging es dann mit dem eigens von Uwe organisiertem Privattaxifahrer Tom zum „American Express Community Stadium“ (The Amex), welches 30.000 Zuschauern Platz bietet! Am Amex angekommen wurden natürlich sofort die Handys gezückt, um einige Schnappschüsse vom Stadion zu machen.

Der erste Weg führte uns in den großen Fanshop im Stadioninneren. An einer Wand hingen die Trikots mit Namen der aktuellen Spieler im Kader des Brighton and Hove Albion Football Clubs, darunter auch das Trikot mit der Nummer 4, Uwe Hünemeier.

Auf dem Stadionvorplatz stimmte derweil eine Rockband die Fans auf das Spiel ein. Eine Dreiviertelstunde vor Spielbeginn ging es dann ins Stadion, wobei sich die deutschen Ordner bei den Sicherheitskontrollen der englischen Vertreter ihrer Zunft noch einiges abschauen können!! Endlich im Stadion angekommen, der Schock. Im gesamten Stadion herrscht striktes Rauchverbot, welches für einige von uns eine ganz schöne Herausforderung war 😉 Dann der nächste Schock, kein Alkohol auf der Tribüne. Wir schauten uns an und dachten nur, dass kann doch nicht sein, das bei den Engländern, die bekannt sind für ihren übermäßigen Alkoholkonsum und ihre ausfallende Art bei Fußballspielen. Kurz vor dem Spiel schallte das Lied „Hey Jude“ von den Beatles durch die Lautsprecheranlagen im Stadionrund und 27000 Kehlen sangen den Song inbrünstig mit. Das war schon einzigartig.

Um 19.45 Uhr dann der Kickoff, leider ohne unseren Bokeler Jungen Uwe Hünemeier, der sich eine Woche zuvor im Spiel gegen Middlesbrough eine Verletzung an den Adduktoren zugezogen hatte. Nach einem brutalen Schnitzer des Innenverteidigers Lewis Dunk geriet die Mannschaft von BHAFC ins Hintertreffen. In der zweiten Hälfte wurde die Mannschaft von Brighton besser, es reichte aber nur noch für einen Lattentreffer durch Publikumsliebling Bobby Zamora und so war die erste Heimniederlage in dieser Saison perfekt.

Nach dem Spiel trafen wir uns noch einmal mit Uwe, um über das Spiel zu fachsimpeln und um uns bei ihm zu verabschieden, natürlich nicht ohne ein Foto vor dem Stadion zu schießen. 😉

Alles in allem muss man über den Stadionbesuch sagen, dass es eine tolle Erfahrung war und uns ein anderes Bild über die englischen Fußballfans verschafft hat. Es läuft alles sehr diszipliniert ab, ohne Hektik, ohne Stress, wie es in deutschen Stadien doch sehr oft der Fall ist.                                                                                                                     Den Abend ließen wir bei zwei gemütlichen Bier in der Hotelbar ausklingen, da es am nächsten Morgen schon wieder zurück in die Heimat ging. Nach 11-stündiger Rückfahrt kamen wir um 21.30 Uhr wieder in Good Old Bokel an.

Text und Bilder: Bokeler Dartclub „Onehundredandeighty“